Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Italien, Ungarn usw. riesige Schafherden von Hirten mit Ihren Hunden betreut. Je nach Region und Land entstanden unterschiedliche Typen von Schäfer- und Hirtenhunden.

Die belgischen Schafhirten hielten um die Jahre vor 1980 kleinere (50 – 55 cm), leichtere Schäferhunde , die sich wachsam, temperamentvoll und unermüdlich in ständigen Bewegungen um die Herden kreisten. Ausdauer, Wetterfestigkeit, große Konzentriertheit und schnelles Reaktionsvermögen zeichnete sie ebenso aus wie ihre starke Bindung an ihren Herren. Auf das Aussehen der Hunde wurde wenig Wert gelegt, aber auf die Gebrauchstüchtigkeit und guten Arbeitseinsatz bei möglichst geringen Nahrungskosten. Durch die ausgeprägte Verteidigungsbereitschaft waren sie zudem noch bestens geeignete Bewacher von Haus, Hof , Herrn und Familie, waren sie doch Fremden gegenüber mißtrauisch und zurückhaltend.

Der Club du Hien de Berger Belge wurde am 29. September 1981 in Brüssel von A. Reul gegründet. Am 15.11.1891 rief Prof. Reul vom tierärztlichen Institut in Cureghem nach intensiver Beschäftigung mit diesem Hirtenhundetyp die damaligen Besitzer solcher in Farbe (schwarz, grau, braun in allen Schattierungen) und Fellstruktur (langstock-, rau-, kurzhaarig) unterschiedlichen Hunde zusammen, um sie im belgischen Dorfes Cureghem zu begutachten, mit dem Ziel einen Gesamtüberblick der in Belgien heimischen Hunde zu erhalten. Es wurden ihm hierzu in Stückzahl 117 vorgeführt. Die Langhaarigen waren überwiegend schwarz, selten braun oder wildfarbig, die Rauhaarigen waren meist gräulich und die Kurzhaarigen zum größten Teil braun oder beige mit überwiegend dunkler Maske. Prof. Reul selektierte nach Ähnlichkeit unter der Vielzahl der anwesenden Hunde drei Idealtypen (Langhaar, Kurzhaar, Stockhaar) mit der Erklärung und Empfehlung, nur Hunde derselben Haarart untereinander zu verpaaren ohne Rücksicht auf die Farbe.

Somit wurde 1892 der erste Standard verfasst: 55 cm, alle Farben von schwarz bis rot, langhaarig, kurzhaarig, rauhaarig, allgemeinen Beschreibung vergleichbar mit dem heutigen Standard der Rasse. Der Rassestandard wurde etliche Male geändert, bis zum heutigen Stand mit den vier Varietäten.

Da der belgische Schäferhund lange Zeit als Hund für das einfache Volk angesehen wurde, wurde er erstmalig im Jahr 1901 in das Zuchtbuch der Société Royale St. Hubert (L.O.S.H.) eingetragen. Erster offiziell registrierter Hund der Rasse war der Malinois Vos de Polders.

Die Ahnen der Abstammungstiere der Laekenois Vos und Lieske sind auch für die Varietät der Malinois verantwortlich. Über Vos I und Lieske entstand die kurzhaarige, braungestromte „Diane“, die mit dem graubraunen „Samlo“ verpaart wurde. „Samlos“ Abstammung ist ungewiss. Der daraus hervorgegangene „Tomy“ wurde der Stammvater der Malinois. Er wurde mit der kurzhaarigen „Cora I“, geboren am 24.3.1887, gepaart und es fiel der legendäre „Tjop“, geboren am 1.11.1899, mit der Stammbaumnummer LOSH 6132. Er und die hellfarbige „Dewet“, LOSH 6466, (Vos II x Mouche) wurden die „Vertreter der Malinois“. Über Tjop und die langhaarige rote Mirza, Tochter von Duc de Groenendael, über die schwarze Mouche und die kurzhaarige Dewet entstand die Ahnentafel von „Margot“, die auch die Tervueren als Stammmutter haben.

Nach dem ersten und dem zweiten Weltkrieg (der Standard hatte sich bezüglich der Größe etwas geändert) durften auf Grund der wenig verbliebenen Zuchttiere die Varietäten untereinander wieder gekreuzt werden, jedoch nur: Groenendael x Tervueren, Tervueren x Malinois Malinois x Laekenois. So konnte sich die Population der Belgischen Schäferhunde wieder erholen. Diese freizügigen Zuchtbestimmungen wurden erst 1973 wieder aufgehoben.


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